Fallzahlprognose 2020
Teil 2 der "Summer School Marktanalyse"
Die Fallzahlen der Zukunft verlässlich und detailliert zu prognostizieren, ist nicht leicht, denn die vom eigenen Controlling ermittelten, vergangenheitsbezogenen Daten hochzurechnen, genügt nicht.
Um eine belastbare Fallzahlprognose zu erhalten, müssen die hauseigenen Daten durch weitere Datenquellen ergänzt werden. In Deutschland liefern beispielsweise die Bevölkerungsvorausberechnungen der statistischen Ämter auf der Ebene der Kreise und kreisfreien Städte Prognosen über die Entwicklung der Bevölkerungszahlen bis zu 20 Jahre im Voraus. Zudem sind Morbiditätsstatistiken verfügbar, die man über den Umweg der Alters- und Geschlechtsstruktur auf das selbst definierte Wettbewerbsumfeld umrechnen kann. Durch eine Verknüpfung der individualisierten Morbiditätsstatistik mit den Werten der Bevölkerungsvorausberechnung kann das künftige Marktpotenzial sogar auf der Ebene der Diagnosen und Diagnosengruppen bestimmt werden.
Die Unsicherheit solcher Prognosen wird naturgemäß umso größer, je weiter die Werte in der Zukunft liegen und je geringer die Basisfallzahlen sind.
Folgende nützliche Auswertungen lassen sich damit erstellen:
- Prognose des Marktpotenzials für die Hauptdiagnosen der Fachabteilungen sowie auf Ebene des Gesamthauses.
- Prognose des Marktpotenzials für die Hauptdiagnosen der Fachabteilungen der Wettbewerber sowie ein Vergleich mit der korrespondierenden Fachabteilung des eigenen Hauses.
- Identifikation von Diagnosen, die künftig häufiger auftreten werden sowie Prüfung, welchen Marktanteil die Wettbewerber im jeweiligen Segment haben. Für sich daraus ergebende Marktchancen gilt zu prüfen, wie hoch die Expansionskosten dafür sind (OP-Instrumente, Fachpersonal, Reputationsaufbau, …).
Für Analysen, die sich auf demographische Daten stützen sollen, ist die Datenqualität besonders wichtig, da sich Fehler potenzieren. Daher sollten nur möglichst aktuelle Daten aus offizieller und verlässlicher Quelle genutzt werden. Besonders wichtig ist es zudem, demographische Daten mit möglichst engem kleinräumigen Bezug zu wählen. Denn regionale Faktoren wie die Standort- und Wirtschaftspolitik, die Prosperität, die Verkehrsinfrastruktur und viele weitere haben auf die Bevölkerungsentwicklung einen starken Einfluss. Wanderungsbewegungen prägen das Bild oft mehr als Geburten und Todesfälle.
Von Seiten der Chefärzte wird gern das Argument des medizinischen Fortschritts ins Feld geführt. Dessen bedeutendster Effekt ist unbestritten eine breite und nachhaltige Verweildauerverkürzung. Darüber hinausgehende Annahmen zum medizinischen Fortschritt sind meist vage, beziehen sich auf einzelne Therapieschritte innerhalb einer kleinen Gruppe von Krankheitsbildern und haben manchmal sogar schmale Datengrundlagen. Solche Effekte sind kritisch zu prüfen, ob sie tatsächlich in absehbarer Zukunft fallzahlrelevant sind. Meist wird auch in diesem Fall das denkbare Ausmaß an Veränderung von möglichen regionalen demographischen Entwicklungen überlagert.

