Analyse der Wettbewerber
Teil 1 der "Summer School Marktanalyse"
Zur Analyse der Wettbewerber eignet sich grundsätzlich der gesetzliche Qualitätsbericht, sofern kein Zugriff auf präzisere Datenquellen möglich ist, wie beispielsweise Vergleichsdaten der Krankenhausgesellschaft aus einer Region bzw. einem Pool freiwillig beteiligter Kliniken.
Der Qualitätsbericht ist auch als Datenpool kostenfrei erhältlich, die technische Auswertung ist mangels frei verfügbarer Software für die meisten Häuser nicht machbar. Einige Beratungsunternehmen können jedoch die Daten mit eigenen Tools auswerten (wie auch die JOMEC GmbH).
Mit den Daten lassen sich wertvolle Einsichten in den Markt gewinnen. Zunächst lässt sich ein Vergleich der Häuser untereinander erstellen mit den Fragestellungen: Wie treten die anderen Akteure im Markt auf und wie positionieren und vermarkten sie sich? Dazu gehören grundlegende Aspekte wie Leistungsschwerpunkte, Zentren, Personalausstattung u. v. m.
Auf Ebene der Fachabteilungen gibt es drei wichtige Fragestellungen, die wir hier mit den passenden Auswertungsmöglichkeiten anführen:
1. Welche Relevanz, welche Marktanteile haben unsere Fachabteilungen im Markt?
Die Antwort liefert eine Analyse der Marktanteile bezüglich der Top-Diagnosen (gemeint ist immer eine Rangliste im Sinne von „Top-10“ oder „Top-20“), wie in der Grafik dargestellt. Dabei wird der Anteil der Fachabteilung am definierten „Gesamtmarkt“ mit den Wettbewerbern ermittelt. Ebenso kann der hausinterne Anteil der Fachabteilung berechnet werden.
2. Haben wir Leistungsschwerpunkte? Wie stehen im Vergleich dazu die Wettbewerber?
Bei der Antwort hilft eine vergleichende Analyse des Spezialisierungsgrades auf Fachabteilungsebene, wobei sich der „Spezialisierungsgrad“ aus der verhältnismäßigen Häufung bei einzelnen Diagnosen oder Prozeduren innerhalb der jeweiligen Top-10 ergibt.
3. Welche Entwicklungsmöglichkeiten haben unsere Fachabteilungen im Markt?
Dazu sind zwei Aspekte wichtig:
Erstens kann ermittelt werden, welche Leistungen die Wettbewerber erbringen, die vom eigenen Haus bzw. der eigenen Fachabteilung nicht angeboten werden. Der Fokus sollte dabei auf den Top-Diagnosen der Wettbewerber liegen. Für die sich ergebenden Leistungsbereiche ist zu prüfen, ob sie attraktive Entwicklungsmöglichkeiten für die eigene Klinik bedeuten.
Zweitens ist zu beachten, dass die Analyse der Top-Diagnosen bestenfalls gegenwartsbezogen und in der Regel vergangenheitsbezogen ist. Erst durch eine Verknüpfung der Analysedaten mit den Prognosedaten der künftigen Patientenstruktur lassen sich das eigene Marktpotenzial und das der Wettbewerber hochrechnen.
Das Ergebnis lässt Schlüsse darauf zu, in welche Richtung das eigene Leistungsangebot entwickelt werden sollte, um die Marktchancen der nächsten fünf bis zehn Jahre optimal zu nutzen.

