
Qualitätskliniken.de - Mitmachen oder nicht?
Das neue Internetportal zum Klinikvergleich hat hohe Ansprüche
Am 1. Juni 2010 ging das neue Klinik-Vergleichsportal „Qualitätskliniken.de“ mit rund 150 somatische Kliniken online, der Löwenanteil sind Häuser der privaten Ketten Asklepios, Rhön und Sana, die das Portal gründeten. Reha-Kliniken und psychiatrische Einrichtungen bleiben vorerst mangels medizinischer Qualitätsdaten außen vor.
Neu ist, dass das Portal mehrere unterschiedlich gewichtete Qualitätsdimensionen vereint: Medizinische Qualität (zu 50% gewichtet), basierend auf § 21- und BQS-Daten, Patienten- und Einweiserzufriedenheit (jeweils zu 20%) und – als bislang einziges Portal am Markt – die Patientensicherheit (10%).
Entsprechend müssen Häuser, die gelistet werden wollen, solche Daten nach den Vorgaben und Standards des Portals zuliefern, die dann stichprobenhaft geprüft werden. Eine Aktualisierung ist alle vier Wochen möglich, so dass auch Chefarztwechsel u.ä. zeitnah eingepflegt werden können.
Eine Suchanfrage ist nach Ort, Krankheitsbild, Fachgebiet und anderen Kriterien möglich. Die Ergebnisliste ist nach „Qualität“ sortiert, wobei Gruppen der besten 25%, der folgenden 50% und schlechtesten 25% gebildet werden. Innerhalb der Gruppen ist die Reihenfolge zufällig. Die Gewichtung der Qualitätsdimensionen kann vom Nutzer beeinflusst werden, was für Laien eher eine Spielerei ist oder sogar die Wahl erschweren kann.
Insgesamt ist das Portal methodisch ordentlich und professionell gemacht, auch wenn die Nutzerorientierung noch verbessert werden könnte. Eine Risikoadjustierung medizinischer Kennzahlen wird laut den Betreibern angestrebt. Der Nutzen solcher Portale für den Patienten bleibt aber nach wie vor begrenzt.
Nachfrage und Nutzerzahlen können noch nicht abgeschätzt werden, langfristig wird sich das Portal jedoch sicher etablieren, auch wenn die Nutzerorientierung noch weiter verbessert werden kann. Eine Risikoadjustierung der medizinischen Daten wird laut den Betreibern angestrebt.
Der Launch des Portals ist ein kluger Schachzug der Trägerverbünde, die damit den Markt vor sich hertreiben. Wer Qualitätsmaßstäbe vorgibt, läuft weniger Gefahr, Maßstäbe auferlegt zu bekommen. Clever ist auch das damit einhergehende Eigenmarketing der Trägerverbünde. Im Ranking angezeigt werden nämlich ausschließlich Mitgliedskrankenhäuser. Die Anzeige weiterer Krankenhäuser, die den Suchkriterien entsprechen, erfolgt immerhin noch am Ende der Liste.
Größte Eintrittshürde für andere Häuser sind sicher die Anforderungen im Bereich Patientensicherheit.
Wer gelistet werden will, für den wird ein jährlicher Mitgliedsbeitrag fällig, dem Vernehmen nach um die 5.000 Euro. Weitere Kosten entstehen für die Befragungen und internen Aufwand.
Unsere Empfehlung:
- Eine Mitgliedschaft macht in erster Linie für Kliniken mit starkem Wettbewerbsumfeld Sinn und für solche Häuser, in deren Umkreis ein Wettbewerber der Trägerketten (Asklepios, Rhön, Sana) positioniert ist. Langfristig könnte es jedoch sein, dass man um dieses Portal "nicht mehr herum kommt".
- Betrachtet man die potenziell entgangenen Erlöse, sollten sich auch nur zwei, drei Patienten jährlich aufgrund dieses Portals für ein anderes Haus entscheiden, dann erscheinen Aufwand und Kosten für die Mitgliedschaft relativ gering.
- Häuser, die eine Mitgliedschaft perspektivisch anstreben, sollten frühzeitig ihre Befragungsinstrumente (Einweiser, Patienten) an die Anforderungen anpassen (keinesfalls komplett umstellen) sowie Routinen einzurichten, um die ohnehin vorhandenen Daten systematisch und in hoher Zuverlässigkeit aufzubereiten und zu übermitteln.
- Für die meisten Häuser werden Anstrengungen und Projekte im Bereich Patientensicherheit erforderlich sein, um nicht nur gelistet zu werden, sondern auch (insbesondere auch im Vergleich zu benachbarten Häusern der privaten Ketten) im Ranking eine gute Einstufung zu erreichen.
Wer plant, sich in das Ranking aufnehmen zu lassen, sollte vorab den Aufwand für die Anpassung der eigenen Befragungsinstrumente sowie die nötigen Projekte im Bereich Patientensicherheit kalkulieren. Dabei sollten bereits genutzte Instrumente wenn möglich angepasst, statt rundweg verworfen werden, um beispielsweise langfristige Datenreihen nicht zunichte zu machen.
Wir beraten Sie kostenlos hinsichtlich der Nutzenabwägung und bieten ggf. die nötige Unterstützung.