Von KTQ zu DIN ISO?
Informationen zum Verfahrenswechsel
KTQ ist für das Qualitätsmanagement wie Stützräder für‘s Fahrrad. Wer das Gleichgewicht halten kann, dem werden sie plötzlich hinderlich. Für die Erstzertifizierungen bringt KTQ den Vorteil, dass die Anforderungen detailreich und weitgehend verständlich sind. Doch spätestens seit dem KTQ-Katalog 2009 fühlt sich manch alter Hase wie Sisyphos, der alle drei Jahre einen noch schwereren Stein ins Rollen bringen soll.
Das liegt hauptsächlich am Selbstbewertungsbericht, der nach wie vor vielfach redundant und sehr aufwendig zu bearbeiten ist. Ab 2012 ändert sich zudem die Bewertung und es werden zehn K.O.-Kriterien aus dem Bereich Sicherheit und Risikomanagement eingeführt. Der Umstieg von der KTQ-Zertifizierung auf DIN ISO lohnt sich vor allem für diejenigen Häuser, bei denen die Qualitätsarbeit im Haus so weit fortgeschritten ist, dass sie auch ohne Stütze des KTQ-Verfahrens zuverlässig funktioniert.
Haben Sie bereits ein QM-Handbuch? Sind bereits viele Abläufe, sprich Prozesse, geregelt, z. B. durch Dienst-, Verfahrens- und Arbeitsanweisungen? Dann sind Sie ohnehin schon halb in der DIN ISO.
Bis auf den Selbstbewertungsbericht kann alles, was bisher „für KTQ“ gemacht wurde, auch unter den Vorzeichen der DIN ISO genutzt werden. Dies ist wichtig zu betonen, um bei den QM-Teams keinen Ärger auszulösen.
Der Umstieg erfordert vor allem einmalige Fleißarbeit. Dazu gehört, dass das Qualitätshandbuch alle DIN ISO-Kapitel inhaltlich wiedergeben muss und die bisherigen Prozessdefinitionen in eine „Prozesslandschaft“ ihres Krankenhauses eingebettet werden sollten. Der Aufbau einer „Prozesslandschaft“ bedeutet nichts anderes, als sich von der Aufnahme über das Entlassungsmanagement bis hin zum Einkauf zu überlegen, welche Abläufe wichtig sind und geregelt werden müssen. Auch dabei kann man gut im KTQ-Katalog nachschlagen.
Gänzlich neu ist die jährlich geforderte „Managementbewertung“. Mit dieser überprüft das Führungsteam systematisch die „eigene Qualität“ und nutzt dazu selbst definierte Ziele, entsprechende Kriterien und Kennzahlen sowie Instrumente. Dazu gibt es Vorgaben, welche Informationen in die Bewertung einfließen müssen, z. B. „Rückmeldung von Kunden“ (z. B. Befragungen, Beschwerdemanagement), „Status von Vorbeugungsmaßnahmen“ (z. B. Risikomanagement) oder Ergebnisse von Audits. Hier kann man abermals auf die KTQ-Erfahrungen zurückgreifen.
Die jährliche Managementbewertung bietet gemeinsam mit dem anschließenden externen Überwachungsaudit die Gewähr, stets am Puls des Unternehmens zu sein und entsprechend steuernd eingreifen zu können. Das gilt sowohl auf der Führungsebene als auch für den QM-Alltag. Diese Verzahnung und der dazugehörige Informationsaustausch zwischen Führung und Basis ist einer der Vorteile des DIN ISO-Systems.
Die Anstrengung für den Umstieg zahlt sich aus. Der Selbstbewertungsbericht entfällt. Das QM kann Ziele frei definieren, ohne auf die KTQ-Punkte zu schielen. Ob die „Pflege von sozialen, kulturellen und ökologischen Projekten“ wichtig ist oder nicht, bestimmt dann nicht ein Katalog, sondern allein das Selbstverständnis des Hauses.