Wer will nochmal? Wer hat noch nicht?
Aktuelle Veränderungen bei KTQ und DIN ISO
Infos für Einsteiger
KTQ
KTQ ist eigentlich kein Qualitätsmanagementsystem, sondern dient lediglich der Bewertung eines solchen. Strenggenommen muss also ein QM-System als Grundlage existieren, z. B. nach DIN ISO oder EFQM. In der Praxis wird oft ein eigenes System aufgebaut, was sich z. B. an DIN ISO orientiert.
KTQ ist sehr spezifisch auf die Prozesse in Krankenhäusern (bzw. auch Reha-Enrichtungen und Praxen) ausgerichtet. Nachteilig ist, dass KTQ für weitere Leistungsbereiche eines Trägers, z. B. Serviceunternehmen, Schulen oder Behinderteneinrichtungen, kein Zertifikat anbietet.
Kern des Verfahrens ist ein ausführlicher Selbstbewertungsbericht. Mit 55 % der möglichen Punkte in der Visitation erhält man das Zertifikat.
Rezertifiziert wird alle drei Jahre.
DIN ISO
DIN ISO ist ein ausgereiftes Qualitätsmanagementsystem. Es ist stark prozessorientiert und hat seine Wurzeln in der Industrie, was Fluch und Segen zugleich ist: Einerseits lässt es sich sehr flexibel auf das jeweilige Krankenhaus anpassen und eignet sich gleichzeitig auch für viele weitere Leistungsbereiche, vom Heim bis zur Servicegesellschaft. Andererseits muss zunächst „übersetzt“ werden, sozusagen von „Kunde“ zu „Patient“, von „Produkt“ zu „Behandlung“. DIN ISO lässt sich nicht fixfertig einsetzen wie KTQ und zwingt dazu, sich mit dem Funktionieren der Abläufe zu beschäftigen.
Kern der DIN ISO sind ein prozessorientiertes QM-Handbuch, interne Audits und jährliche externe Überwachungsaudits.
Rezertifiziert wird alle drei Jahre.
Was gibt es Neues?
KTQ
Der KTQ-Katalog 2009 löst die Version 5.0 ab. Die Themen wurden ergänzt und Schwerpunkte verlagert, z. B. wurde „Risikomanagement“ zum eigenständigen Kriterium. Die Check-Fragen sind detaillierter und systematischer als bislang. Die Fragensystematik insgesamt und der KTQ-Qualitätsbericht wurden vereinfacht, um redundante Antworten zu vermeiden. Die mögliche Zeichenzahl wurde deutlich erhöht.
DIN ISO
Ende 2008 kam die DIN ISO 9001:2008 heraus. Darin wurde die Stellung des QMB aufgewertet, der jetzt Leitungsmitglied mit definierten Kompetenzen sein muss. Stabsstelle und Organigramm genügen nicht mehr. Die Leitung muss Nachweise des eigenen „Engagements“ für das QM erbringen. Die Erreichung der Ziele muss verstärkt gemessen werden. Die Anforderungen an interne Prüfmethoden wurden erhöht.
Termine und Empfehlung
KTQ
Zertifizierungen nach dem neuen Katalog sind ab sofort möglich. Wir empfehlen, schnellstmöglich umzusteigen und nicht die Übergangsfrist bis Ende August 2009 (für Erstzertifizierungen bis März 2010) auszuschöpfen. Planen Sie für die Vorbereitung genügend Zeit ein.
DIN ISO
Ab Mitte November 2009 sind Audits und Zertifizierungen nur noch nach der neuen Version möglich, bis dahin sind beide gültig. Zertifikate nach 9001:2000 werden spätestens im November 2010 ungültig. Wir empfehlen, schnellstmöglich die neue Norm umzusetzen.
Welche Zertifizierung wählen?
KTQ ist greifbar und verständlich und daher vor allem für die Erstzertifizierung von Einzelhäusern gut geeignet. In der Praxis verleiten aber die nur alle drei Jahre anstehenden Rezertifizierungen dazu, in der Zwischenheit die QM-Arbeit ruhen zu lassen. Dies führt dann zu zusätzlichen Belastungen parallel zur Selbstbewertung. Die Zertifizierung nach der DIN ISO zwingt dagegen durch mindestens jährliche Audits stärker zu kontinuierlichen Verbesserungen.
Auf beiden Zertifikaten können weitere Zertifikate aufgesattelt werden, beispielsweise speziell für Zentren. Für konfessionelle Häuser kommt die Zertifizierung nach pCC in Betracht, eine Ergänzung des KTQ-Verfahrens, die zusätzlich konfessionell begründete Angebote und Strukturen prüft. Unabhängig von der Wahl des Zertifikates bieten die Strukturvorgaben der DIN ISO Vorteile für Komplexeinrichtungen und Verbünde. Sie funktioniert einrichtungsübergreifend und kann leichter zentral gelenkt werden.