Gemeinsam sind wir billig?
Die Tücken der Einkaufsgemeinschaften.
Sinkende Kosten im Materialbereich klingen immer verlockend. Mit Verweis auf ihre Markt- und Verhandlungsmacht versprechen Einkaufsgemeinschaften die größten Sparpotenziale. Doch nicht immer kann die Verheißung erfüllt werden.
Vorsicht ist angebracht:
- Die größten Verbünde haben nicht automatisch die kleinsten Preise!
- Die Einkaufsgemeinschaft ersetzt nicht den eigenen Einkauf!
- Die Verbünde unterscheiden sich in mehr als nur im Preis!
Im Grundsatz stimmt zwar der Gedanke, dass die Größe die Verhandlungsmacht stärkt und damit niedrigere Preise erzielbar sind. Dennoch können kleinere Gemeinschaften durchaus bessere Preise erzielen, als große Verbünde. Denn der Lieferant unterscheidet zwischen dem nominellen Umsatzvolumen, welches der Verbund ihm anbietet und dem effektiven Umsatzvolumen, das tatsächlich erzielt wird. Trotz geringerem Umsatzvolumen kann es daher kleineren Verbünden gelingen, günstigere Konditionen auszuhandeln, sofern sie eine höhere Umsatzverbindlichkeit als der größere Nachbarverbund aufweisen können. Die Industrie bevorzugt da den „Spatz in der Hand“.
Der gleiche Effekt sorgt dafür, dass viele Häuser beim Eintritt in die Einkaufsgemeinschaft feststellen müssen, dass sie in einzelnen Warengruppen zuvor bessere Preise verhandeln konnten, als der „Einkaufsriese“.
Wie bei „Otto“ oder „Neckermann“ verhandeln die Gemeinschaften die Konditionen mit den Lieferanten und erstellen daraus einen Katalog für die Mitglieder. Der Vorteil ist, dass der Verhandlungsaufwand für den eigenen Einkauf entfällt. Vor allem mit Blick auf die „C-Produkte“ mit nur geringem Einsparpotenzial und unverhältnismäßig hohem Verhandlungsaufwand ist dies ein Vorteil. Allerdings bringen die Einkaufskataloge mit den „kleinen Preisen“ eher geringe Einsparungen. Einen echten Spareffekt haben die strategischen Maßnahmen. Dazu gehören vor allem die Reduktion des Artikelsortiments und der Lieferantenvielfalt. Auch hier sind die Einkaufsverbünde gern mit Services zur Stelle. Sie bieten ihren Mitgliedern Analysen der Warengruppen und Lieferantenstrukturen an sowie Foren, Arbeitskreise und Schulungen.
Dieses Angebot hat zwei Haken:
Erstens ist es nicht kostenlos, so dass teilweise erhebliche „Mitgliedsbeiträge“ erhoben werden, die den Kostenvorteil schmälern.
Zweitens kann die straffe Organisation der Gemeinschaft dazu führen, dass aus einer „Arbeitsgruppe“ eine „Entscheidungsgruppe“ wird, deren Ergebnisse umgesetzt werden müssen. Dies kann auch bedeuten, dass eine Gruppe entscheidet, einzelne Artikel oder Lieferanten aus dem Katalog herauszunehmen, die dann den Mitgliedshäusern nicht mehr zur Verfügung stehen, auch wenn sie sich für manche Mitglieder bewährt haben.
Bei solchen fortlaufenden Verhandlungen fällt dem internen, strategischen Einkäufer nach wie vor eine Schlüsselrolle zu. Der eigene Einkauf bleibt die vermittelnde und verhandelnde Stelle zwischen der Klinik und dem Verbund. Obendrein muss er den medizinisch-technischen Fortschritt im Blick behalten. Nach wie vor lautet die anspruchsvolle Aufgabe, durch eine gute interne Abstimmung das nötige Maß an Flexibilität zu schaffen, um günstig im Markt und im Verbund agieren zu können.
Denken Sie vor einem Beitritt an folgende Aspekte:
- Prüfen Sie das Preisniveau genau und klären sie, ob und mit wem sich eine wirklich durchgängige Kostensenkung erzielen lässt.
- Das Durchforsten der Waren- und Lieferantenvielfalt führt zu größeren Einsparungen als die günstigeren Konditionen. Der Verbund kann dem Einkäufer Luft schaffen, um die A- und B-Produkte anzugehen. Der hauseigene Einkauf muss immer noch stark besetzt bleiben.
- Berücksichtigen Sie die erheblichen strukturellen Unterschiede zwischen den Verbünden (Organisationsgrad und Verbindlichkeit) sowie den „Mitgliedsbeitrag“.
