Rent a risk?

Was beim Ärzte mieten zu bedenken ist

 

In den deutschen Kliniken grassiert ein Trend, den man bisher nur im Niedriglohnsektor gekannt hat: Ärzte-Leasing. Eine Entwicklung, die womöglich erst noch am Anfang steht. Das Angebot an Mietärzten, gern vermarktet mit Hilfe leichtfüßiger Anglizismen, ist mehr als nur eine Begleiterscheinung des Ärztemangels, denn es birgt tiefgreifende Risiken für das Unternehmen, für die Behandlungsqualität und nicht zuletzt für die Versorgungssicherheit. Denn durch attraktive finanzielle Anreize  für freelancer verlassen weitere Ärzte die Krankenhäuser, um ihre Dienste als freie Ärzte oder über Arztbörsen anzubieten.
Für das Krankenhaus als Unternehmen schwächt der Einsatz von Mietärzten die strategische Entwicklungskraft und Veränderungsbereitschaft. In diesem Punkt können Mietärzte niemals langfristig gebundene Leistungsträger ersetzen, denn es mangelt ihnen naturgemäß am Interesse, die Fachabteilung voranzubringen und eine für die Erlössicherung so wichtige lokale Vernetzung mit den Einweisern einzugehen. So kann eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt werden, die auch die fest angestellten Ärzte ins Motivationsloch reißt.
Außerdem bringen Mietkräfte Organisationsrisiken mit sich. Einarbeitung und Überwachung muss selbst bei erfahrenen Fachärzten mit einem gewissen Aufwand betrieben werden, wenn man sich im Schadensfalle nicht Organisationsverschulden vorwerfen lassen will.

Qualifikation sorgfältig prüfen!

Kliniken sollten zwei Aspekte beachten: Ist der freischaffende Arzt nebenher angestellt, so droht das Damoklesschwert der Scheinselbstständigkeit mit Nachzahlungen zur Sozialversicherung.
Und: nicht alle Leasingärzte erfüllen wirklich die geforderten Qualifikationen (übrigens auch solche, die von Rettungsdiensten angeheuert werden). Erst kürzlich wurden wieder schwarze Schafe entdeckt, was für die betroffenen Auftraggeber mit großem Imageschaden und Haftungsrisiken verbunden ist. Vor einer Beauftragung sollten daher die entsprechenden Unterlagen eingefordert und sorgfältig geprüft werden.

Kampf um die NEF-Prämie

In jüngster Zeit kann ein weiteres bedenkliches Phänomen beoabachtet werden: Trotz Ärzteknappheit werden die Qualitätsanforderungen für Notärzte hochgesetzt, wodurch den Städten und Kreisen die Notärzte ausgehen. Mit hohen finanziellen Anreizen wird versucht, dem Mangel zu begegnen.
Das hat fatale Folgen für den Klinikbetrieb, denn die Ärzte setzen bei der Dienstplangestaltung vermehrt auf die finanziell lukrativen Notarztdienste und fehlen somit für die Bereitschaftsdienste. Es entstehen erhebliche Probleme bei der Dienstplangestaltung. Schlimmer noch: Wenn der Kollege vom NEF für zwei Notfallpatienten deutlich mehr verdient, als die Kollegen, die Dutzende von Patienten im Klinikbereitschaftsdienst behandelt haben, sind innerbetriebliche Spannungen unausweichlich. Denn 24 Stunden mal 40,- Euro, die manche Notarztbörsen bieten, sind deutlich mehr als die tarifliche Vergütung für 24 Stunden Bereitschaftsdienst.

Politik wird hausgemacht

Wer nun „die Politik“ für die Lage verantwortlich macht, macht es sich zu einfach. Denn an der regional wirksamen „Politik“ sind auch die eigenen Führungskräfte beteiligt, die in politischen Gremien und Verbänden aktiv sind. Sie sind aufgerufen, ihren Einfluss geltend zu machen und nicht zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen. Es genügt, dass sich am Grundübel so schnell nichts ändert: Zu wenige Studienplätze, zu wenig Studienabgänger, zu wenig Mediziner, die dann wirklich den Dienst am Patienten antreten und eine vielversprechende Frauenquote, die sich im Laufe der Berufsjahre deutlich relativiert.
Darauf zu warten, ob und wann die von Berlin angekündigten politischen Gegenmaßnahmen greifen, wäre fahrlässig. Selbsthilfe ist angesagt, durch systematische Personalakquise und Personalentwicklung.

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